Australien

Chidlow – Farmarbeit

Nach ein paar entspannten Tagen rund um Perth, wollte ich meine erste Freiwilligenarbeit antreten…zuvor habe ich mich bei workaway.com registriert und ein Profil angelegt. Man bekommt Unterkunft und Essen gestellt und arbeitet dafür ein paar Stunden am Tag. Win-Win also !….Ganz offiziell muss man sich dann bei den Hosts bewerben und schon fast einen Lebenslauf und ein Anschreiben abschicken…. Nicht so einfach freiwillig zu arbeiten 😀

Nach ein paar unbeantworteten Anfragen kam dann endlich eine Zusage für eine kleine Pferdefarm in Chidlow (2 Stunden von Perth). Belinda und Graham betreiben die Farm mit ein paar Pferden, Hunden, Katzen und Hühner alleine und brauchen im Alltag etwas Hilfe, dafür haben sie extra ein ganzes Häuschen für freiwillige Arbeiter eingerichtet.

Nach ein paar Mal hin und her schreiben habe ich meine Sachen gepackt und bin mit dem Bus losgefahren, 3 Stunden später stand ich in dem kleinen ländlichen Ort Chidlow und wurde direkt von Belinda abgeholt. Erster Eindruck war somit super nett. Sie hat mir dann “mein” kleines Blechhäuschen gezeigt, in dem ich die nächsten Tage untergebracht war. Da keine anderen Arbeiter da waren, hatte ich alles für mich. 2 kleine Schlafzimmer mit jeweils 5 Betten, eine Küche, Wohnzimmer und Bad.

Erst einmal war putzen angesagt, das Häuschen wird nur von den freiwilligen Arbeitern sauber gehalten und da war wohl anscheinend lange keiner da oder es wurde nicht geputzt…. da das auch das Katzenhaus ist, waren auch deren Spuren überall vorhanden 😀

Nachdem ich mich grob eingerichtet hatte, kam auch schon Belinda und hat mich über den Hof geführt.

Meine tägliche Arbeit sollte aus Pferde + Hühner füttern und Gartenarbeit bestehen. Da ich absolut keinen grünen Daumen habe war das eine richtige Herausforderung für mich. Unkraut sollte von mir in mehreren Beeten + rund ums Haus gejätet werden. Das kann ja was werden, dachte ich mir nur 😀

Nachdem ich mit meinen neuen Nikeschuhen durch den Matsch und Pferdemist lief war sie so nett und hat mir alte Gummistiefel gegeben, somit war ich ausgerüstet 😀


Am erste Abend durfte ich dann auch mit zum kleinen Familienausflug, Belinda unternimmt mit ihrer geistig behinderte Tochter regelmäßig einen Abend und geht mit ihr Essen und ins Kino. Es war sehr beeindruckend die beiden zu beobachten. Ihre Tochter konnte sich nicht mit Worten verständigen und ich habe sie auch nicht wirklich verstanden aber Belinda konnte übersetzen. Sie hat sich so gefreut über die Zeit mit ihrer Mutter und den Kinofilm MamaMia, sie saß neben mir und hat die ganze Zeit mitgesungen und getanzt. Das war mal ein ganz neues Erlebnis für mich und sehr lehrreich.


Dann fing wohl die Regenzeit an, denn ab da regnete es fast nonstop und teilweise richtig heftig, was es natürlich schwer gemacht hat draußen zu arbeiten.

Belinda und Graham haben die meiste Zeit im Haus verbracht und konnten nicht viel tun, um nichts ganz unnütz rumzusitzen bin ich trotzdem samt Gummistiefel und Regenjacke in Garten gestiefelt und habe Unkraut gejätet 😀 das war mal eine dreckige Angelegenheit, in nasser Pferdescheiße wühlen, teilweise war Hunde- und Katzenkot untergemischt – sehr angenehm 😀

 

Mein kleiner Helfer “Kit-Kat“, er wich in den 2 Wochen kaum von meiner Seite 🙂

Ich war froh dass ich wenigstens Handschuhe hatte, aber die waren irgendwann auch total durchnässt. Nach 2 Stunden wie wild Gras rupfen, musste ich feststellen, dass mittlerweile das halbe Beet leer geräumt war 😀 und ich begann mich zu fragen ob das alles so richtig ist, was ich da mache… ich hatte das Gefühl ich reiße ihr Gemüse mit raus, also fing ich an einen Teil wieder “einzupflanzen” damit es nicht ganz so leer aussah 😀

->links meine “Rettungsversuche” – aber irgendwie hat es das auch nicht besser gemacht, sah immer noch scheiße aus 😀

…ich hatte echt Panik dass ich ihr Gemüsebeet nun zerstört hatte :-D. Und so wurde ich vorsichtiger und rupfte nur das raus, was sicher nach Gras bzw. Unkraut aussah (für mich sah trotzdem einfach alles gleich aus, so war das ‘Auf gut Glück’)


So verbrachte ich dann die nächsten 2-3 Tage mit Unkraut jäten und zeigte Belinda stolz mein Ergebnis, dieser Stolz verflog jedoch recht schnell, als sie schlussendlich meinte “ALL of this needs to come out” also das was ich für “kein” Unkraut gehalten habe und auch mühsam wieder eingepflanzt hatte muss ebenfalls raus  😀 “neeeeeiiiiin” also nochmal von vorne. Nachdem ich erneut fast 2 Tage wie eine Geistesgestörte mit meinem kleinen Rechen über die Beete gefegt bin, war das Beet zwar so gut wie leer, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ich musste feststellen, dass es einfach komplett verwahrlost war und generalüberholt werden musste 😀

 

Mit voller Hoffnung, damit diesen Job erledigt zu haben und Abwechslung zu bekommen, ging ich erneut zu Belinda aber sie meinte ich könnte direkt im Blumengarten rund ums Haus weiter machen und das sah nach Arbeit für die nächsten 2 Wochen aus :-/


Da in der Gegend der Winter begann war es doch recht kalt abends und vor allem nachts, es gab keine Heizung und somit musste ich mich mit meinem kleinen Ofen anfreunden.

Erstmal musste Holz her, Graham hat das hinter dem Schuppen gestapelt und so lief ich jeden Abend mit meiner kleinen Blechwanne raus und packte so viel Holz rein wie ich gerade noch tragen konnte. Ich hatte noch nie zuvor ein Ofen angefeuert “peinlich”, das war bisher immer Männersache. So habe ich verweifelt versucht das Holz zum brennen zu bekommen, aber er ging immer wieder aus :-/ – Holz war halt auch nass. Als es dann endlich geklappt hat, dauerte es jedoch mehrere Stunden bis das Blechhäuschen aufgewärmt war, somit habe ich die erste Nacht ziemlich gefroren…an den nächsten Tage wurde ich immer besser, schon mittags um drei habe ich den Ofen angefeuert um es abends/nachts warm zu haben, einen Ofen so lange am Brennen zu halten ist echt eine Herausforderungen. Aber nach 2 Wochen war ich Profi darin 😉


Ansonsten war ich wie ein Familienmitglied für die zwei, Abendessen gab es immer im Haupthaus  und zu Tagesausflügen durfte ich ebenfalls mit.

Als Belinda 2 Pferde zu einer anderen Farm bringen musste, saßen wir 6 Stunden im Auto um dahin zu fahren, war eine kleine Sightseeingtour für mich und an der Farm angekommen eines meiner Highlights in Australien.

Eine riesen Farm mit Dutzenden Pferden, Kühe, Schweine, Hühner, Katzen und Hunde – vor allem Hunde, aus jeder Ecke kam mir einer entgegen und einige Arbeiterhunde die an Bäume angeleint waren. Wenn ich schätzen müsste würde ich sagen, es waren mindestens 25-30 Hunde.

Wunderschöne Pferde auf der Weide die “Urlaub” machen vom Reitsport, alles professionelle Rennpferde. Ein paar Fohlen waren auch dabei, die wild um einen herumgerannt sind. Ich war ziemlich beeindruckt, die größte Farm die ich je gesehen hab.


Ich durfte Belinda auch ein paar Mal beim Trainieren von Pferden beobachten, sehr eindrucksvoll wie sie nur mit kleinen Gesten den Pferden gezeigt hat, was sie von ihnen will.

Nach ein paar Tagen waren ihre 3 Hunde und 4 Katzen ziemlich fixiert auf mich und waren täglich meine Besucher in meinem kleinen Häuschen, jeden Tag erwartete mich “jemand” anderes vor meiner Tür und wollte zu mir rein.

 

 

Aber als eines Morgens ein Pferd vor meiner Tür stand, war das dann doch eine Überraschung 😀 und ich war kurz in Panik – “Da steht ein Pferd auf’m Flur” 😀

Ich dachte ich hätte das Tor am Abend offen gelassen und die Pferde sind nun alle weg……. doch zum Glück hat Belinda das Tor geöffnet um sie in ihrem Garten grasen zu lassen 😀

So hatte ich auch die Pferde bei meiner täglichen Arbeit im Garten um mich 🙂

Das Pferde füttern bestand darin, die Fresskörbe mit 3 unterschiedlichen Arten von Futter zu füllen…

…und ihnen in ihr großes Gehege zu stellen, da sie in keinen Boxen waren sondern nur in diesem riesengroßen Gehege, betrat man quasi ihr Revier und das mit Fressen in der Hand – super Idee :-D. Das wollten sie natürlich schnellstmöglich haben und dementsprechend aufgeregt und teilweise aggressiv war diese “Übergabe” vor allem untereinander. Man musste die Fresskörbe in Rangordnung verteilen, also erst bekam Bobby der Anführer sein Fressen, dann Jack, dann Bonny und so weiter.

Nachdem beim ersten Mal die Pferde nacheinander ausgetreten haben und ich mitten drin stand, meinte Graham nur zu mir – “nimm das nächstes Mal eine Gerte mit rein” 😀 – ähm ok, mit mehreren Fresskörbe in der Hand soll ich noch eine Gärte mittragen, soll ich mir die auf den Kopf binden oder was 😀 ….Sie waren da mittlerweile tiefenentspannt, aber mich hat das täglich Überwindung und Nerven gekostet. Aber nach ein paar Tagen hatte ich den Dreh raus und die Schnelligkeit war auch ein Faktor, Körbe hinstellen und wegrennen 😀


Nach fast 2 Wochen auf der Farm war es dann Zeit für eine Veränderung, ich war schon länger auf der Suche nach einer geeigneten geführten Tour entlang der Westküste Richtung Norden ins Warme, die Touren die ich rausgesucht hatte waren ständig ausgebucht oder die Starttermine waren unpassend.

Aber nach langer Suche habe ich eine geeignete Tour gebucht,  bevor diese losging hatte ich nochmal ein paar Tage in Perth, genauer gesagt in Fremantle – der kleinen Hafenstadt.

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